Meinem jüngeren Ich hätte ich vor allem gewünscht, sich nicht so viele Sorgen darüber zu machen, was noch kommen wird. Ich bin mit 40 Mutter geworden und hätte nie gedacht, dass ich das sein würde. Die Jahre von 40 bis 50 waren bisher die schönsten meines Lebens.
Wie hat sich dein Verhältnis zu Schönheit und Make-up mit den Jahren verändert? Welche Bedeutung hat Make-up für dich?
Seit ich auf Instagram bin und eine große Community habe, muss ich zugeben, dass ich mich etwas mehr mit Make-up und Beauty beschäftige als früher. Früher bin ich sehr entspannt auch ohne Make-up aus dem Haus gegangen. Aber weil man heute ständig gefilmt wird, achtet man mehr auf sich. Nicht im Hinblick auf das Älterwerden, sondern darauf, strahlend und frisch auszusehen.
Ich habe in meinem Leben sehr oft professionelles Make-up getragen und erst mit 40 wirklich verstanden, was Make-up für einen tun kann. Wenn man jung ist, braucht man es schlichtweg nicht. Kein Rouge, kein Puder, weil man von Natur aus frisch und strahlend wirkt. Aber wenn man älter wird, kann man müder aussehen oder eine schlechte Nacht hinter sich haben. In der Perimenopause verändert sich die Haut.
Und genau dann spürt man, was Make-up bewirken kann: Es kann einem so viel mehr Selbstbewusstsein geben und das eigene Wohlgefühl deutlich steigern. Dabei reicht schon wenig Make-up, um sich den ganzen Tag wohler zu fühlen.
Was bedeutet es dir, jeden Morgen mit Pinseln zu arbeiten, die du selbst entworfen hast und was hast du in die Designs eingebracht?
Das morgendliche Make-up ist für mich zu einem Self-Love Ritual geworden, einem Moment mit mir selbst. Ein Blick in den Spiegel, der mir zeigt, wer ich bin und wie ich mich über die Jahre verändere, und der mir hilft, diese Veränderungen anzunehmen.
Die Pinsel, die ich gemeinsam mit JACKS beauty line entworfen habe, sind aus dem Herzen entstanden. Ich durfte sie selbst gestalten und meine eigene Note einbringen, mit den Farben und den Blumen. Es war wie das Malen kleiner Kunstwerke, und genau das hat diesen Prozess so besonders gemacht.
Jetzt nehme ich diese Pinsel jeden Morgen in die Hand, und sie werden mit mir älter werden. Das ist das Schönste an diesem Projekt: Es ist nichts Flüchtiges, sondern etwas, das bleibt. Für mich sind das Self-Love-Pinsel, und ich liebe sie wirklich sehr.
Hast du schon immer in älteren Häusern gelebt? Dein Zuhause wirkt wie eine Sammlung deines Lebens. Wie hat sich dein Zuhause über die Jahre verändert?
Ich habe schon immer in alten Häusern gelebt, sie haben mich schon immer fasziniert. Meine erste Wohnung war, glaube ich, von 1912, natürlich viel kleiner, aber mit den hohen Decken, den Ornamenten und den Buntglasfenstern, die so typisch niederländisch sind.
Ich bin eine Sammlerin. Mit 17 fing ich als Model an zu reisen und bereiste ferne Städte und besondere Orte. Von überallher habe ich etwas mitgenommen, manchmal ein kleines Kunstwerk, manchmal einen Gegenstand mit Geschichte. Das zieht sich bis heute durch mein Zuhause.
Und dann sind da noch meine Tattoos. Von jedem Ort, an dem ich war, habe ich mir früher ein Tattoo stechen lassen als Erinnerungen an Orte, an denen ich war. Ich habe irgendwann damit aufgehört, aber eines Tages werde ich weitermachen.
Sie sind alle ein Stück von mir, genau wie mein Zuhause. Das ist, wer ich bin.
Dein Stil ist so farbenfroh und mutig. Warst du schon immer so?
Meinen eigenen Stil entwickelte ich erst als Fotografin, nicht als Model. Als Model war ich eher eine Leinwand: Man platzierte Dinge auf einem, formte einen nach Belieben und kannte einen oft nicht einmal beim Namen. Man war einfach da, um gestaltet zu werden.
Als Fotografin wurde ich farbenfroh und mutig. Wie genau, kann ich schwer erklären. Ob beim Kombinieren von Prints oder bei der Inneneinrichtung: Ich spüre einfach, ob etwas passt oder nicht. Wenn es nicht passt, ändere ich es. Vielleicht ist es einfach meine lebendige Persönlichkeit.
Das Unkonventionelle fasziniert mich, besonders bei Kunst. Für mein Zuhause wähle ich fast ausschließlich Werke von Künstlerinnen. Ich mag Menschen, die aus der Reihe tanzen, denn ich bin selbst eine davon. Dem Mainstream zu folgen war noch nie meins, ich schwimme lieber gegen den Strom. Das ist letztlich auch der Grund, warum ich AndBloom gegründet habe: um zu zeigen, dass man nicht für immer jung und schön sein muss, sondern dass das Älterwerden auf seine ganz eigene Art schön ist.
Was würdest du Frauen raten, die in ihrem Stil mutiger und farbenfroher werden möchten, sich aber noch nicht so richtig trauen?
Ich würde empfehlen, Schritt für Schritt vorzugehen, mit kleinen Veränderungen in Richtung mehr Farbe. Vielleicht ein neuer Nagellack oder eine neue Lippenfarbe. Am besten eine Sache nach der anderen, denn zu viel auf einmal kann einen schnell überfordern.
Und wenn ich Frauen nur einen Rat geben darf, mutiger und farbenfroher zu werden: Einfach machen. Rausgehen und ausprobieren. Niemandem hat es jemals geschadet, ein bisschen anders auszusehen. Trau dich.