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The Artist Collection by AndBloom

Ein Interview mit Denise Boomkens über Selbstbewusstsein und ihre Artist Collection mit JACKS beauty line

Manche Geschichten brauchen kein Wachstum, sie brauchen Tiefe. Dee hat das früh gelernt: als Model, als Fotografin und schließlich als Gründerin von AndBloom, einem Projekt, das Frauen ab 40 sichtbar macht und zeigt, dass das Älterwerden keine Phase ist, die man übersteht, sondern eine, die man lebt. Dass diese Haltung nun in einer gemeinsamen Artist Collection mit JACKS beauty line landet, ist kein Zufall. Wie die Pinsel entstanden sind, was sie Dee bedeuten und warum Make-up für sie heute ein tägliches Ritual ist, darüber hat JACKS beauty line Gründerin Miriam Jacks mit ihr gesprochen.

von Vy Dao – zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2026

Wer warst du? Wer bist du? Und was ist deine Leidenschaft und dein Antrieb?

Ich bin Dee. Ich bin im Juli letztes Jahr 50 geworden und bin jetzt fast 51. Ich habe als internationales Fashion-Model gearbeitet und sehr viel in diesem Business gesehen. Von dort aus bin ich Modefotografin geworden und habe das zwölf Jahre gemacht. Eine wunderbare Karriere, in der ich mit vielen tollen Models gearbeitet habe. Ich bin also schon mein ganzes Leben lang im Foto- und Videobusiness.

Als ich 40 wurde, dachte ich: Ich werde alt. Und das hat mir wirklich zu schaffen gemacht. Das lag an den Jobs, die ich gemacht hatte. Ich war immer von Schönheit umgeben und habe mit jungen Models gearbeitet. Alles drehte sich um Jugend und um Perfektion. Als ich 40 wurde, begann ich dadurch wirklich ein Problem mit mir selbst zu bekommen. Das hat mich innerlich aufgewühlt. Ich wollte die zweite Hälfte meines Lebens nicht damit verbringen, mein Alter zu fürchten oder unglücklich mit mir selbst zu sein.

Aus diesem Gefühl heraus habe ich 2018 mit Porträts angefangen. Meine Mutter war die Erste, woraufhin viele Frauen folgten. Freundinnen von Freundinnen, Mütter von Müttern und viele mehr. Von 40 bis 100 habe ich jedes Alter porträtiert. Sie alle haben ihre Geschichte mit mir geteilt, eine Geschichte über das Älterwerden und wie sie es gefühlt und erlebt haben. Diese Geschichten waren positiv und stark.

Was mich dabei besonders bewegt hat: Wir alle gingen durch ähnliche Phasen. Perimenopause, Verlust, Trauer, Scheidung. All diese Dinge. Und so entstand AndBloom. Das Projekt wurde sehr schnell sehr groß, weil viele älter werdende Frauen, wie ich, in den Medien und in der Fotografie unterrepräsentiert sind.

Dann kam Covid, also richtete ich die Kamera auf mich selbst und fing an, mich selbst zu porträtieren, obwohl ich dachte, das würde seltsam werden. So hat das alles angefangen. Und schau, wo wir jetzt sind.

Für mich geht es darum, ohne Entschuldigungen man selbst zu sein, in dem Alter zu sein, in dem man ist, ohne Scham und ohne Grenzen. Und mit einer guten, offenen Einstellung, denn es ist so wichtig, auch die zweite Lebenshälfte zu genießen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich gerne mitgeben? Und was hat dir damals gefehlt, als du selbst vor der Frage standest: Wie soll das Älterwerden für mich eigentlich aussehen?

Der Grund, warum ich mit den Porträts angefangen habe, war ganz einfach: Ich brauchte Vorbilder. Mit 40 fragte ich mich, wer ich mit 50 sein würde. 

Ich wollte Frauen über 60 sehen, die mir als ganz normale Frau zeigen, wie man sein Leben lebt, sich kleidet, Make-up trägt, die Haare macht und wie das alles aussehen kann.

Meinem jüngeren Ich hätte ich so gerne solche Vorbilder gewünscht, aber damals gab es sie nicht. In den 80ern und 90ern kamen Botox und Filler auf, Anti-Aging war ein großes Thema  und das waren meine Beispiele. Madonna war das Bild, dem ich gefolgt bin und das ist kein gesundes Vorbild. 

Dabei können wir jüngeren Generationen so viel zeigen, wie das Älterwerden wirklich sein kann.

Es macht Spaß und es ist schön. Ja, man bekommt Falten, nimmt vielleicht etwas zu, bekommt Cellulite oder wird weniger energiegeladen. Es verändert sich vieles, aber das ist nicht schlimm. Es ist einfach anders und ich mag das sehr.

Meinem jüngeren Ich hätte ich vor allem gewünscht, sich nicht so viele Sorgen darüber zu machen, was noch kommen wird. Ich bin mit 40 Mutter geworden und hätte nie gedacht, dass ich das sein würde. Die Jahre von 40 bis 50 waren bisher die schönsten meines Lebens.

Wie hat sich dein Verhältnis zu Schönheit und Make-up mit den Jahren verändert? Welche Bedeutung hat Make-up für dich?

Seit ich auf Instagram bin und eine große Community habe, muss ich zugeben, dass ich mich etwas mehr mit Make-up und Beauty beschäftige als früher. Früher bin ich sehr entspannt auch ohne Make-up aus dem Haus gegangen. Aber weil man heute ständig gefilmt wird, achtet man mehr auf sich. Nicht im Hinblick auf das Älterwerden, sondern darauf, strahlend und frisch auszusehen.

Ich habe in meinem Leben sehr oft professionelles Make-up getragen und erst mit 40 wirklich verstanden, was Make-up für einen tun kann. Wenn man jung ist, braucht man es schlichtweg nicht. Kein Rouge, kein Puder, weil man von Natur aus frisch und strahlend wirkt. Aber wenn man älter wird, kann man müder aussehen oder eine schlechte Nacht hinter sich haben. In der Perimenopause verändert sich die Haut. 

Und genau dann spürt man, was Make-up bewirken kann: Es kann einem so viel mehr Selbstbewusstsein geben und das eigene Wohlgefühl deutlich steigern. Dabei reicht schon wenig Make-up, um sich den ganzen Tag wohler zu fühlen.

Was bedeutet es dir, jeden Morgen mit Pinseln zu arbeiten, die du selbst entworfen hast und was hast du in die Designs eingebracht?

Das morgendliche Make-up ist für mich zu einem Self-Love Ritual geworden, einem Moment mit mir selbst. Ein Blick in den Spiegel, der mir zeigt, wer ich bin und wie ich mich über die Jahre verändere, und der mir hilft, diese Veränderungen anzunehmen.

Die Pinsel, die ich gemeinsam mit JACKS beauty line entworfen habe, sind aus dem Herzen entstanden. Ich durfte sie selbst gestalten und meine eigene Note einbringen, mit den Farben und den Blumen. Es war wie das Malen kleiner Kunstwerke, und genau das hat diesen Prozess so besonders gemacht.

Jetzt nehme ich diese Pinsel jeden Morgen in die Hand, und sie werden mit mir älter werden. Das ist das Schönste an diesem Projekt: Es ist nichts Flüchtiges, sondern etwas, das bleibt. Für mich sind das Self-Love-Pinsel, und ich liebe sie wirklich sehr.

Hast du schon immer in älteren Häusern gelebt? Dein Zuhause wirkt wie eine Sammlung deines Lebens. Wie hat sich dein Zuhause über die Jahre verändert? 

Ich habe schon immer in alten Häusern gelebt, sie haben mich schon immer fasziniert. Meine erste Wohnung war, glaube ich, von 1912, natürlich viel kleiner, aber mit den hohen Decken, den Ornamenten und den Buntglasfenstern, die so typisch niederländisch sind.

Ich bin eine Sammlerin. Mit 17 fing ich als Model an zu reisen und bereiste ferne Städte und besondere Orte. Von überallher habe ich etwas mitgenommen, manchmal ein kleines Kunstwerk, manchmal einen Gegenstand mit Geschichte. Das zieht sich bis heute durch mein Zuhause.

Und dann sind da noch meine Tattoos. Von jedem Ort, an dem ich war, habe ich mir früher ein Tattoo stechen lassen als Erinnerungen an Orte, an denen ich war. Ich habe irgendwann damit aufgehört, aber eines Tages werde ich weitermachen.

Sie sind alle ein Stück von mir, genau wie mein Zuhause. Das ist, wer ich bin.

Dein Stil ist so farbenfroh und mutig. Warst du schon immer so?

Meinen eigenen Stil entwickelte ich erst als Fotografin, nicht als Model. Als Model war ich eher eine Leinwand: Man platzierte Dinge auf einem, formte einen nach Belieben und kannte einen oft nicht einmal beim Namen. Man war einfach da, um gestaltet zu werden.

Als Fotografin wurde ich farbenfroh und mutig. Wie genau, kann ich schwer erklären. Ob beim Kombinieren von Prints oder bei der Inneneinrichtung: Ich spüre einfach, ob etwas passt oder nicht. Wenn es nicht passt, ändere ich es. Vielleicht ist es einfach meine lebendige Persönlichkeit.

Das Unkonventionelle fasziniert mich, besonders bei Kunst. Für mein Zuhause wähle ich fast ausschließlich Werke von Künstlerinnen. Ich mag Menschen, die aus der Reihe tanzen, denn ich bin selbst eine davon. Dem Mainstream zu folgen war noch nie meins, ich schwimme lieber gegen den Strom. Das ist letztlich auch der Grund, warum ich AndBloom gegründet habe: um zu zeigen, dass man nicht für immer jung und schön sein muss, sondern dass das Älterwerden auf seine ganz eigene Art schön ist.

Was würdest du Frauen raten, die in ihrem Stil mutiger und farbenfroher werden möchten, sich aber noch nicht so richtig trauen?

Ich würde empfehlen, Schritt für Schritt vorzugehen, mit kleinen Veränderungen in Richtung mehr Farbe. Vielleicht ein neuer Nagellack oder eine neue Lippenfarbe. Am besten eine Sache nach der anderen, denn zu viel auf einmal kann einen schnell überfordern. 

Und wenn ich Frauen nur einen Rat geben darf, mutiger und farbenfroher zu werden: Einfach machen. Rausgehen und ausprobieren. Niemandem hat es jemals geschadet, ein bisschen anders auszusehen. Trau dich.

Danke, liebe Dee für das wundervolle Interview!

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